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RADBALL – Cooler Sport mit Tradition

 

Viele denken bei dem Begriff Radball an eine Art "Fußball auf dem Fahrrad". Daher sprechen manche auch von "Fahrrad-Fußball". Dies ist jedoch ein verbreiteter Irrglaube.

 

Beim Radballspiel wird der Ball mit dem Vorder- oder Hinterrad geschlagen. Es ist ein reiner aktionsreicher Sport, der in Hallen mit Parkett- oder Kunststoffboden betrieben wird.

 

Es spielen zwei Mannschaften mit je zwei Spielern gegeneinander. Diese Variante des Radballspiels nennt sich 2er-Radball und wird international betrieben.

 

Es gibt noch weitere rein national organisierte Wettkämpfe im 5er Hallen-, bzw. 6er Rasenradball, auf die aber nur wenig Verbeitung haben.

 

Radballräder sind Spezialmaschinen mit starrer Hinternabe und direkter Übersetzung (ca. 1:1) und einer nach oben gebogenen Lenkerstange. Die starre Übersetzung ermöglicht das Stehen auf dem Rad und das Rückwärtsfahren. Die eigentümliche Form des Lenkers befähigt den Spieler, den Ball mit dem Vorderrad zielgerichtet zu bewegen. Das Gewicht der 26-Zoll Radball-Räder beträgt ca. 13kg.

 

Im Laufe der vergangenen Jahre wurden die Räder bezüglich ihrer Haltbarkeit immer weiter entwickelt. Es gibt jedoch nicht sonderlich viele Hersteller.

 

Die Mannschaft setzt sich aus Feldspieler und Torwart zusammen, wobei diese Positionen im Spiel gewechselt werden können. In der Offensive agieren beide Spieler gemeinsam, in der Defensive befindet sich ein Spieler im Torraum (Torwart), dessen Partner verteidigt außerhalb dieses Raumes (Feldspieler).

 

Alle Aktionen der Spieler finden auf dem Rad – Hände am Lenker, Füße auf den Pedalen – statt. Im Torraum darf der jeweilige Spieler die Hände zur Ballabwehr einsetzen.

 

Ein Spiel dauert im Elitebereich (ab 19 Jahren) zwei Mal sieben Minuten, in der Nachwuchsklasse U-19 zwei Mal sechs Minuten und in den Klassen U-17, U-15 und U-13 zwei Mal fünf Minuten. An einem Spieltag finden daher bis zu sechs Spiele statt.

 

Der Elitebereich wird im Ligasystem betrieben. Es gibt in Deutschland folgende Spielklassen:

 

 

 

Körperliche Anforderungen

 

Die radballspezifischen Bewegungen erfordern ein sehr hohes Maß an koordinativen Fähigkeiten. Im Radball wird dieser Komplex mit Radbeherrschung umschrieben. Im Vordergrund des Trainings sollte das Techniktraining stehen, da die Radbeherrschung, im Zusammenspiel mit der Ballbehandlung, die wichtigsten Komponenten des Radballspiels darstellen.

 

Der Anspruch an Torwart und Feldspieler unterscheidet sich nur in der Defensive, bei der ein Spieler mehr in Bewegung ist (Feldspieler), dessen Partner jedoch hauptsächlich statische bzw. nur kurze Bewegungen ausführt und damit das Tor abdeckt. Im Angriffsspiel agieren beide miteinander.

 

Das Radballspiel beansprucht alle Formen der lokalen aeroben und anaeroben, owie der dynamischen Ausdauer, aufgrund der Intervallmäßigen, zyklischen und azyklischen Bewegungen.

 

Im Laufe eines Spiels wechseln ständig die Spielsituationen. Große Anforderungen an die Reaktions- und Grundschnelligkeit werden durch kurze, explosive Beschleunigungen und plötzliche Richtungsänderungen gestellt.

 

 

2er Radball-Regelwerk

 

Das Spielfeld ist international durch die Union Cycliste International (UCI)genormt. Es ist 14 Meter lang und 11 Meter breit. Das Spielfeld wird von einer ca. 30 cm hohen Schrägbande (Neigung 60°) eingefasst. Die Tore sind zwei Meter breit und ebenso hoch.

 

Der aus Stoff gefertigte Ball hat einen Durchmesser von 16 bis 18 cm, ein Gewicht von 500 bis 600 g und erreicht Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 70 km/h. Im Gegensatz zu anderen Bällen ist dieser nicht mit Luft befüllt, sondern massiv.

 

Das Spiel erstreckt sich über zwei Halbzeiten mit einer zweiminütigen Pause, in der die Seiten gewechselt werden. Alle Aktionen der Spieler finden auf dem Rad statt.

 

Der Ball wird durch Schläge mit dem Vorder- und Hinterrad sowie dem Körper bewegt. Die Hände und Füße dürfen nicht benutzt werden – es sei denn, sie bleiben am Lenker bzw. auf den Pedalen. Kopfbälle sind gestattet.

 

Der Tormann darf im Strafraum die Hände zur Ballabwehr vom Lenker nehmen. Dieser Strafraum ist mit einer durchgezogenen Linie, im Radius von zwei Metern halbkreisförmig um das Tor, gekennzeichnet. In diesem Raum darf sich nur ein Spieler jeder Mannschaft befinden, der Angreifer jedoch nur mit Ball.

 

Der Ball wird in der Regel mit dem Vorderrad vorangetrieben. Der Gegner darf nur von der ballführenden Seite angreifen, ansonsten wird auf Freischlag entschieden.

 

Geleitet wird ein Radballspiel vom Kommissär (= Spielleiter), dieser wird durch zwei Spielbeobachter, die seitlich in Verlängerung der Torauslinie sitzen, unterstützt. Diese Spielbeobachter können zurate gezogen werden.

 

Bei Regelverstößen werden Freischläge am Ort des Verstoßes oder in schweren Fällen Viermeter Strafstöße verhängt. Dieser wird ebenfalls bei Regelübertretungen im eigenen Strafraum verhängt. Der Viermeter Strafstoß ist vergleichbar mit dem Elfmeter im Fußball sowie dem Siebenmeter im Handball.

 

Springt der Ball über die Bande, so wird das Spiel mit einem Anspiel aus einer ruhenden Ballposition, einen Meter von der „Ausstelle“ und der Bande, für den Gegner fortgesetzt.

 

Ein Eckball kann wie im Fußball durch den Verteidiger oder den Torwart verursacht werden. Für die Ausführung gibt es einen fixierten Punkt.

 

Berührt ein Spieler den Boden, ist er erst wieder spielberechtigt, wenn er die eigene Torauslinie mit dem Vorderrad überquert hat. Behindert er jedoch vorher den Ball oder den Gegner, wird dies mit einem Freischlag am Ort der Behinderung geahndet.

 

Diese Behinderungen stellen oft eine Art "taktische Fouls" dar, um einen Vorteil durch ein Überzahlspiel für den Gegner zu eliminieren.

 

 

Geschichte/ Entstehung

 

Das Radballspiel entstand Ende des 19. Jahrhunderts im Spiel "Einer gegen Einen", in Rochester/USA. Nicholas Edward Kaufmann – ein berühmter Kunstradfahrer seiner Zeit – erfand es.

 

Am 14. September 1883 demonstrierte Kaufmann dieses Spiel mit einem anderen Kunstradfahrer, John Featherly. Dieses Datum ist somit der Geburtstag des Radballspiels. Das Duell der beiden Sportler fand auf einer Art Hochrad, dem "American-Star-Bicycle"3, statt. Als Spielball diente eine Art Poloball.

 

Kaufmann kam per Zufall auf die Idee mit Fahrrädern Ball zu spielen. "Eines Tages… lief mir ein kleiner Hund vors Rad. Rasch hob ich das Vorderrad und beförderte damit den Mops so sanft es ging aus dem Weg – mich vor einem Sturz rettend, das Tier vor Verletzungen"4, so Kaufmann. Diesem Zufall verdankt der Radballsport seine Entstehung.

 

Das "Rad-Duell" wurde schnell über die Grenzen der USA hinaus populär. In Berlin spielten die Kunstradfahrer Paul und Otto Lüders, vom Bundesverein Sport Berolina, 1901 als erste Europäer Radball.

 

Radball wurde in dieser Zeit zumeist in Gasthofsälen, in Turnhallen oder auf Sportplätzen mit hartem, glattem Belag von Kunstradfahrern im Spiel zwei gegen zwei betrieben. Später kam das Spiel sechs gegen sechs auf dem Rasen hinzu. 6er Rasenradball wird bis heute noch im Sommer, als eine Art Abwechslung vom Wettkampfalltag, von wenigen Vereinen betrieben.

 

Im Laufe der Zeit entstand Mitte der Siebziger Jahre, im Zuge des Baus der Großsporthallen, aus dem 6er Rasenradball das 5er Hallenradball. Beim 5er werden die Handballfläche sowie die Tore benutzt. Es stellt jedoch eine rein nationale Disziplin dar.

 

Der Bund Deutscher Radfahrer – als Spitzenverband national – stellte den Antrag, 2er und 6er Radball zu Weltmeisterschaftsdisziplinen zu machen. 1930 fanden dann die ersten Welttitelkämpfe im 2er Radball in Köln/Deutschland statt, in den Jahren seit 1927 waren dies nur Europameisterschaften.

 

Im 6er Rasenradball fand die erste WM in Antwerpen/ Belgien statt, jedoch fiel es schnell wieder aus dem WM-Programm.

 

Im 2er Radball wird noch bis heute jedes Jahr der Weltmeister ermittelt. Die ersten Welttitelträger waren im 2er das Team Bernd/ Scheibe aus Deutschland, sowie im 6er das Team aus Frankreich.

 

2er Radball veränderte sich im Laufe der Jahre sehr stark. Die Spieler wurden athletischer, das Material stabiler, leichter und besser. Eine Konstante ist im Laufe der Jahre jedoch geblieben, Ende der Sechziger Jahre erweiterte sich die Radballwelt auch auf Asien. Japan war der erste asiatische WM-Teilnehmer. Es folgten einige Jahre später Malaysia, Hong Kong, Macau und China.

 

Im Zuge dieser Entwicklung fand 1993 erstmals eine Weltmeisterschaft außerhalb Europas statt. Hong Kong empfing die Radballwelt. Die Mannschaft Kern/ Bosshart wurde hier nach 33 Jahren erstmals wieder für die Schweiz Weltmeister.

 

Ausrichter der Weltmeisterschaften ist die Union Cycliste International (UCI) mit Sitz in Aigle/ Schweiz. Die UCI ist der Weltverband aller Radsportler.

 

1967 wurde erstmals der Europacup Elite für Vereinsmannschaften ausgetragen. In Prag gewann eine deutsche Mannschaft – Wenzel/ Bittendorf – dieses erste Finale. Es stand ebenfalls unter der Schirmherrschaft der UCI.

 

In den Nachwuchsklassen ermittelten Teams aus mehreren Nationen in einem inoffiziellen Junioreneuropacup ab Mitte der Sechziger Jahre bis 1974 ein Art Junioren-Europacupsieger.

 

1975 kam die erste Junioren-Europameisterschaft in Wickrath/ Deutschland zur Austragung. Erster Junioren-Europameister wurde die Mannschaft Harth/ Haman aus der damaligen Tschechoslowakei.

 

Im Zuge der Gründung der Union Européenne de Cyclisme (UEC), mit Sitz in Zürich/ Schweiz 1994, übernahm zum einen die UEC die Ausrichtung der kontinentalen Wettbewerbe wie des Europacups Elite und der Junioren-Europameisterschaften, zum anderen wurde der U-23 Europacup ins Leben gerufen. Der erste Austragungsort war 1995 Friedrichshafen/ Deutschland, der erste Sieger war das Team Abel/ Häuser, ebenfalls aus Deutschland.

 

Nach mehreren vergeblichen Bemühungen wurde mit Hilfe von Sponsoren und der UCI 2002 der UCI-Weltcup im Radball ins Leben gerufen. Die besten Teams der acht Weltcup-Turniere in Europa und Asien kämpfen im Weltcupfinale um den Radball-Weltcupsieger. Dieser Wettbewerb hat sich bis heute glänzend etabliert, besitzt aber noch eine Menge Potential.

 

Das erste Weltcupfinale fand in Böblingen/ Deutschland statt und wurde von einem österreichischen Team – Schneider/ Schallert – gewonnen.

 

Überblickt man diese Geschichte des Radballs, dann haben sich eine Hand voll Mannschaften besonders in den Vordergrund gespielt. Als allererste fällt da die Mannschaft Jan und Jindrich Pospisil aus Brünn/Tschechien auf.

 

Dieses Team brachte es auf 20 Weltmeistertitel, eine Leistung, die auch in anderen Sportarten ihresgleichen sucht.

 

Aus deutscher Sicht sind da z.B. Flackus/ Bernais zu nennen, die acht Mal in Folge Vizeweltmeister waren, oder die Zwillingsbrüder Thomas und Andreas Steinmeier, die es tatsächlich schafften zwei Mal in Folge (1982, 1983) die Vorherrschaft der Pospisils zu durchbrechen.

 

In den Jahren ab 1984 wurde der Weltradball durch die drei "großen" deutschen Mannschaften dominiert: Die Gebrüder King, Müller/ Geilert, sowie die Brüder Steinmeier drückten dem internationalen Radball ihren Stempel auf. Dies äußerte sich darin, dass unter den ersten drei Teams des Europacups von 1984 bis 1994 immer zwei deutsche Teilnehmer waren.

 

Einzig die Vorherrschaft bei Weltmeisterschaften konnte bis 1988 nicht durchbrochen werden. Der Modus der WM kam dem älteren Brüderpaar Pospisil aus Tschechien konditionell entgegen, da bei diesen Meisterschaften sieben Spiele auf drei Tage verteilt absolviert werden mussten.

 

Die letzten deutschen Doppel-Weltmeister waren in den Jahren 2000 und 2001 die Brüder Lomuscio aus Gärtringen.

 

Betrachtet man die Weltmeister von 1930 bis heute, dann fällt auf, dass viele Brüderpaare erfolgreich waren, gerade auch in Deutschland. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass das blinde Spielverständnis innerhalb des Teams eine sehr wichtige Vorraussetzung für Erfolg ist.

 

 

Die erfolgreichsten WM-Teilnehmer aller Zeiten von 1930-2006

1. Pospisil/ Pospisil (CZE): 20 WM-Titel (1965-1988)

2. Schreiber/ Blersch (GER): 6 WM-Titel (1931-1937)

3. Breitenmoser/ Osterwalder (SUI): 5 WM-Titel (1950-1956)

4. Buchholz/ Buchholz (GER): 5 WM-Titel (1959-1964)

5. Kern/ Bosshardt (SUI) 4 WM-Titel (1993-1997)

6. Steinmeier/ Steinmeier (GER) 3 WM-Titel (1982-1990)

7. King/ King (GER) 3 WM-Titel (1991-1994)

 


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