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04.12.16 - WM 2016 in Stuttgart: Silber und Bronze fühlen sich wie Gold an

Von: BDR-Medienservice/Stefan Thomé

Österreich zum vierten Mal in Folge Radball-Weltmeister / Youngster Kohl enthront den Titelvertiger

Die Weltmeister 2016. (Foto: Michael Thomé)

STUTTGART - (st/isk) Was für ein Finale, was für eine WM. Zwar fand das Endspiel um den Radball-Weltmeistertitel ohne das Team des Gastgeberlandes Deutschland statt. Das Duell um das UCI-Regenbogentrikot lieferten sich einmal mehr die Schweiz und Titelverteidiger Österreich.

 

Doch ein Großteil der 6.000 Zuschauer überwiegend deutsche Fans - wollte sich diesen Klassiker nicht entgehen lassen. Das wurde belohnt: es gab Spannung bis zur letzten Sekunde. Am Ende hatten wieder Marcel Schnetzer sowie Markus Bröll die Nase vorn. Der vierte Titel in Folge für das Team aus Höchst.
 
Für Schnetzer ist es bereits das fünfte WM-Gold. 2011 hatte er mit Dietmar Schneider Gold gewonnen. Österreich musste in dem hart umkämpften Match die ganze Routine ausspielen.

 

Die Herausforderer, Dominik Planzer und Roman Schneider (Altdorf/SUI), lagen zur Halbzeit etwas überraschend mit 3:2 vorn. Zweimal glich Österreich in der zweiten Halbzeit aus, gerieten beide Male direkt wieder in Rückstand und hatten am Schluss doch die Nerven, die Partie noch mit 6:5 für sich zu entscheiden.
 
Angesichts des dreitägigen Turnierverlaufs hochverdient, denn Team Austria gewann letztlich alle Partien. "Es war lange Zeit spannend. Wir vergaben viele Chancen. Am Schluss konnten wir uns aber auf unsere Standards verlassen", freute sich Tormann Schnetzer, der ins Schwärmen geriet: "Das war schon Wahnsinn, wie die Halle gebebt hat."
 
Einen versöhnlichen Abschluss erlebten die deutschen Bernd und Gerhard Mlady, die sich im Spiel um Bronze gegen Tschechien mit 6:5 durchsetzten. Nachdem die Mladys im Semifinale der Schweiz knapp unterlagen, gerieten die Cousins im Bronze-Match gegen Jiri Hrdlicka und Pavel Loskot (Tschechien) in Rückstand. Im zweiten Abschnitt drehten die Mladys die Partie und feierten unter dem ohrenbetäubenden Jubel der Zuschauer ihren Erfolg wie einen Titelgewinn.

 

„Wir waren nach der Niederlage im Halbfinale natürlich enttäuscht. Aber wir wollten unbedingt eine Medaille holen und vor heimischem Publikum auf dem Podest stehen. Daher war es nicht schwierig, uns für das Spiel um Bronze zu motivieren“, so Bernd Mlady.
 
 
1er Männer: Als WM-Neuling auf Anhieb zum Gold
 
Den Coup des Tages legte Lukas Kohl (Kirchehrenbach) hin. Mit 199,43 Punkten entthronte der 20-jährige Deutsche bei seiner WM-Premiere den Titelverteidiger und Favoriten Michael Niedermeier (Bruckmühl/192). Kohl hatte eigentlich schon mit dem Erreichen des Finals sein Ziel erreicht. "Dann wollte ich einfach alles nur noch genießen", schilderte er. "Es war mir völlig egal, welche Medaille ich mit nach Hause nehme. Selbst der vierte Platz wäre okay gewesen. Allein vor dieser Kulisse zu fahren war schon gigantisch."

 

Doch das Gold ließen seine Knie im wahrsten Sinne des Wortes weich werden. "Auf dem Weg zur Siegerehrung und auf dem Podest hatte ich echt etwas Angst dass mir meine Beine wegsacken", gestand er.


Während sein Kaderkollege Niedermeier in der Vorrunde Kohls Vorlage noch hatte kontern können, unterlief ihm im Finale der entscheidende Fehler. Fünf Sekunden vor Ende noch auf Goldkurs, misslang ihm die letzte Übung. "Das war kein technischer Fehler oder Unkonzentriertheit. Es war Pech. Ich bin mit meiner Hand abgerutscht“, schilderte Niedermeier. Der Bayer landete unsaft auf dem Boden und blieb für einige Sekunden dort regungslos liegen.

 

"In dem Moment hatte ich einen kurzen Blackout", erzählte Niedermeier. Doch zu keinem Moment kam bei ihm Frust auf. Zuvor hatte er mit dem achtfachen Drehsprung oder mehrfacher Lenkerstanddrehung sein weltmeisterliches Können gezeigt und zusätzlich Punkte gesammelt. "Ich bin hochzufrieden mit meiner Leistung und habe nicht Gold verloren sondern Silber gewonnen", betonte Niedermeier.

 

Auf seinem Rad nahm er nach der Entscheidung seinen Bezwinger und Freund Lukas Kohl mit auf eine gemeinsame Ehrenrunde.
 
Zeit zum Abheben wird Kohl indes erst gar nicht haben. Seine Eltern brachten ihm sein Auto an die Wetkampfstätte. "Damit werde ich morgen selbst nach Hause fahren", erzählte der neue Champion - der ohnehin sehr Bodenständig daherkommt. So musste er nach Siegerehrung, Pressekonferenz und Dopingkontrolle erstmal sich selbst organisieren, Räder und Gepäck einladen, ehe es zum feierlichen Abschlussbankett ging.
 
Rang drei sicherte sich der Schweizer Yannick Martens (186 Punkte). Der Sohn des mehrmaligen WM-Medaillengewinners Hermann Martens verringerte mit der zweiten Bronzemedaille nach 2012 die Distanz im familieninternen Erfolgsrennen weiter.

 

"Ich war nach der Vorrunde so zufrieden, ich wollte schon nach Hause fahren", verriet der Schweizer. Doch seine Verlobte, die Bronzemedaillengewinnerin im 1er Frauen, Nicole Frybortova, wollte ihn noch ein zweites Mal fahren sehen. Und so bestätigt Martens seine Leistung aus dem Vorkampf mit leichter Steigerung.
 


2er Frauen: Gleicher Ausgang wie 2015
 
Ein Déjà-vu gab es am Sonntagnachmittag beim Blick auf das Siegerpodest im Zweier Frauen. Exakt in derselben Reihenfolge wie 2015 in Malaysia gab es den deutschen Doppelsieg durch Nadja und Julia Thürmer (Mainz-Finthen) sowie Lena und Lisa Bringsken (Böhl-Iggelheim). Und Bronze schnappte sich wieder das Schweizer Duo Fabienne Gamper und Rahel Nägele.
 
Julia (27) und Nadja (25) Thürmer zeigten sich nach einer Vorrunde mit dem einen oder anderen Patzer im entscheidenden Durchgang in blendender Form. Mit 151,51 Punkten ließen sie ihre Kontrahentinnen weit hinter sich.

 

"Das war der schönste Moment in unserer sportlichen Karriere", freute sich Julia und ihre Schwester Nadja ergänzte: "Das war nochmal etwas ganz anderes als beim letzten Mal."

 

Mit einer soliden Kür ohne grobe Fehler hielten Lena (21) und Lisa (19) Bringsken (130,17) wiederum die Finalgegnerinnen aus der Schweiz in Schach.

 

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